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Tarragona – die uralte Römerstadt am Mittelmeer

Tarragona liegt etwa 100 Kilometer südlich von Barcelona und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Süden der autonomen Region Katalonien an der Costa Dorada.

Im Jahre 218 v. Chr. eroberten die Römer einst die iberische Stadt und machten sie unter dem Namen Tarraco zur Hauptstadt der damaligen Provinz Hispania citerior. Unter Julius Caesar war Tarragona eine der wichtigsten römischen Städte auf der iberischen Halbinsel. Heute ist die Stadt als touristisches Reiseziel eher unbekannt – zu Unrecht.

In Tarragona gibt es aus der Zeit der Römer heutzutage ungewöhnlich viele Monumente und Ruinen zu bestaunen: das Amphitheater, den Circus, das Forum Romanum, das Grabmonument Torre dels Escipions, den Triumphbogen Arc de Berá, das Mausoleum von Centcelles und die Aquäduktbrücke Pont del Diable.

Im Jahre 2000 wurde das archäologische Ensemble von Tarragona zum UNESCO-Welterbe gekürt.

Bis heute werden bei aktuellen Bauarbeiten immer wieder Reste uralter römischer Bauten entdeckt, die die Bauarbeiten dann für lange Zeit unterbrechen.

Der Faszination der historischen Gemäuer und der bewegten Geschichte der katalanischen Stadt, die vor ca. 2000 Jahren als „Rom der iberischen Halbinsel“ galt, kann sich bei einem Besuch in Tarragona kaum jemand entziehen - die römische Geschichte ist allgegenwärtig. Die Bewohner allerdings leben hier ganz selbstverständlich mit dem Erbe aus der römischen Kaiserzeit.

Tarragona hebt sich damit sehr deutlich von den modernen Tourismuszentren in Spanien ab. Tarragona ist kein typischer spanischer Badeort, Strände gibt es hier aber dennoch – die schönsten liegen in Richtung Osten, so der feinsandige Platja de l´Arabascada oder der große Strand Platja Llarga.

Erkunden Sie die Stadt auf jeden Fall zu Fuß – die Sehenswürdigkeiten liegen nicht mehr als eine Viertelstunde voneinander entfernt.

Die Mauern, die heute die Altstadt von Tarragona umgeben, wurden im 3. Jahrhundert vor Christus errichtet und im Mittelalter restauriert. Das antike Tarraco verfügte schon zur damaligen Zeit über ein Theater und einen Zirkus. Am Meer erheben sich die Stufen des römischen Amphitheaters, das damals – im 2. Jahrhundert – ein Fassungsvermögen von über 12.000 Besuchern hatte. Hier wurden damals Kämpfe zwischen Gladiatoren und verschiedenen wilden Tieren ausgetragen.

Video: Die spanische Hafenstadt Tarragona | euromaxx

Faszination Römerzeit: Tarragona ist eine Art lebendes Museum

Die historische Altstadt liegt heute zwischen Mittelmeer und den antiken Stadtmauern. In dieser Gegend befindet sich eines der heutigen Wahrzeichen Tarragonas, die Kathedrale Santa María. Das Gotteshaus wurde ab 1184 in einem Übergangsstil von der Romanik zur Gotik auf den Resten einer früheren christlichen Basilika errichtet, die ihrerseits den Platz einer maurischen Moschee aus dem 10. Jahrhundert einnahm. Das dreischiffige Bauwerk besitzt die Form eines lateinischen Kreuzes. Die Hauptfassade gliedern zwei schöne romanische Portale aus dem 12. Jahrhundert und eine hochwertig herausgearbeitete Rosette. Die Mittelsäule des Portals schmückt eine Figur der Jungfrau mit dem Kind. Im Innern ist der Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert mit seiner farbig bemalten Alabasterarbeit hervorzuheben, der sich durch Figuren der Jungfrau, der heiligen Thekla und des heiligen Paulus auszeichnet. Die gotischen Höhepunkte der Kirche sind das Grab des Bischofs am Hochaltar und die Marienkapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Auf der anderen Seite der Straße Rambla Vella befindet sich der moderne Teil Tarragonas mit seiner heutigen Hauptgeschäftsstraße und Flaniermeile, der La Rambla Nova, die direkt Richtung Meer bis zum Paseo de las Palmeras und dem berühmten Balcó de Mediterrani, dem Mittelmeer-Balkon, führt. Hier an der großen Aussichtsplattform endet die Straße, damals wie heute, oberhalb einer etwa 30 Meter hohen natürlichen Steilwand und an einem kunstvoll gestalteten Geländer, das Spaziergänger vor einem unbeabsichtigten Sturz bewahrt. Das Auflegen einer Hand auf einen der eisernen Geländerpfosten soll Glück bringen. Laut kundiger Tarragonesen, so heißen die Bewohner von Tarragona, bringt das Berühren von Eisen Glück – auf Katalanisch heißt das: „Tocar ferro porta sort!“

Von hier aus hat man einen hervorragenden Blick auf das Meer und den Strand Playa de El Miracle. Zu den sehenswerten Jugendstil-Gebäuden Tarragonas zählen der Turm und die Empore der Casa Ripoll, die Eisenkonstruktion des Marktes Mercado Central oder die Kapelle des Colegio Jesús i María, an deren Bau auch Antonio Gaudí, der wichtigste Vertreter des spanischen Jugendstils, der auch Barcelona entscheidend geprägt hat, beteiligt war.

Wer sich für römische Kunst und Kultur interessiert, sollte das archäologische Nationalmuseum besuchen, es beherbergt eine der wichtigsten Sammlungen aus der Römerzeit weltweit. Das im 19. Jahrhundert gegründete Museum ist das älteste seiner Art in ganz Katalonien und ermöglicht eine Reise in die römische Vergangenheit von Tarragona.

Die Ausstellungsstücke machen die historische Bedeutung und die Monumentalität der alten Römerstadt Tarraco deutlich und zeigen die Romanisierung der iberischen Halbinsel auf. In den Museumssälen sind zahlreiche Skulpturenreste, Mosaiken, Architekturfragmente, Keramiken, Haushaltsgegenstände, militärische Geräte, Amphoren, Bekleidungsreste, Grabbeigaben, Münzen und vieles mehr ausgestellt. Machen Sie nach dem Museumsbesuch unbedingt noch einen Rundgang über die alte Stadtmauer, von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die umliegende Landschaft und die Berge im Hinterland von Tarragona.

Die Nekropole befindet sich neben dem Archäologischen Museum von Tarragona und weist zahlreiche frühchristliche Gräber auf. Der Ursprung des Gräberfeldes geht auf die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts zurück. Die Archäologen haben bei Ausgrabungen etwa 2050 Gräber unterschiedlicher Typologien freigelegt. Die Basilika wurde im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung errichtet. In der Nekropole wurden auch Skulpturen, Marmorstatuen und verschiedene Grabbeigaben gefunden.

Highlight bei Tarragona: das Aquädukt Pont de les Ferreres, die „Brücke des Teufels“

Eine weitere spannende Sehenswürdigkeit aus der Vergangenheit findet sich etwas außerhalb von Tarragona. Fahren Sie Richtung Lleida auf der N-240 bis zur Teufelsbrücke, der Pont del Diable. Wenn man das 40 Kilometer lange Wunderwerk römischer Baukunst zum ersten Mal sieht, vergisst man irgendwie, dass man gerade von einer modernen Autobahn aus der Neuzeit zu dieser Stelle abgebogen ist. Wann das Aquädukt genau errichtet wurde, ist nicht bekannt - viele Quellen stimmen darin überein, dass es zur Zeit des Kaisers Augustus war. Während der Herrschaft des Kalifen Abd Ar Rahman III. sowie im 18. Jahrhundert wurde die Puente del Diablo restauriert. Nach der Legende wurde die Brücke vom Teufel erbaut, nachdem er eine Wette gewonnen hatte, in der es um die Seele einer Jungfrau ging.

Von Tarragona aus kann man unzählige weitere interessante Ausflüge machen, etwa zu einem der besterhaltenen Zisterzienserklöster weltweit, das ebenfalls zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurde: das Kloster Poblet.

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